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Ein kreisendes Nachbild
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| Die Animation besteht aus 12 Standbildern mit einzelnen Radialverschiebungen der zu einem Farbkreis zusammengefügten Farbtupfer. Es entstehen verschiedene Wahrnehmungseffekte, welche einige Details über die Funktionsweise unseres Sehsystems enthüllen:
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| Die negativen Nachbilder leuchten in der Gegenfarbe des fehlenden Objekts. Beobachten Sie in der langsam rotierenden Farblücke der zweiten Animation nochmals ohne Zeitdruck das Aufleuchten des fehlenden Tupfers in seiner Gegenfarbe und vergleichen Sie diese mit der Originalfarbe des radial verschobenen, mitrotierenden reellen Farbtupfers. Die Entstehung der negativen Nachbilder ist ein Netzhaut-Effekt. Zwei Indizien liefert dieses einfache Sehexperiment selbst:
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| Weshalb entstehen negative Nachbilder? Die Fotopigmente der Netzhaut werden durch helles Licht gebleicht. Dieses Licht erregt die Rezeptoren. Weil ihre fotochemischen Substanzen nach einer anhaltenden Exposition sich regenerieren müssen, ist die Netzhaut an der betreffenden Stelle für das dargebotene Wellenlängengemisch vorübergehend weniger empfindlich. Beim Anblick von Grau haben nun die Wellenlängen der Gegenfarben einen effizienteren Wirkungsgrad und erzeugen an dieser Stelle der Netzhaut ein negatives Nachbild. In unserer visuellen Wahrnehmung entstehen normalerweise keine Nachbilder, weil wir unbewusst unsere Augen etwa dreimal pro Sekunde bewegen (Sakkaden). Das Ausbleichen der Fotopigmente oder mit anderen Worten die Adaption der Stäbchen und Zäpfchen kann sich nicht auswirken, denn die Netzhaut wird an jeder Stelle mit stets wechselnden Reizmustern belastet. Die virtuellen Objekte, welche die fehlenden Farbtupfer ersetzen, werden vom Grosshirn wie reale Objekte behandelt. Aus den diskreten Standbildern eines Objektes baut unser Grosshirn glücklicherweise einen kontinuierlichen Film. Diese Scheinbewegung ist unter dem Namen Phi-Phänomen bekannt und wurde im Zusammenhang mit Spot 26 ausführlicher diskutiert. Der wahrgenommene schnelle Film der Nachbilder beweist, dass unser Bewegungssehen im Areal V5 nicht zwischen reellen Objekten (die radial nach innen verschobenen Farbtupfer) und virtuellen Objekten (die Nachbilder in den Lücken des Farbkreises) unterscheidet. Beide werden genau gleich verarbeitet. Das Hirn akzeptiert auch die Farbänderungen der beiden Filmakteure. In der Natur können die Objekte bei wechselnder Beleuchtung ebenfalls ihre Farbe ändern und sollten dabei nicht ihre Identität verlieren. Diese so genannte Objektkonstanz bedingt ein fortlaufendes Auskorrigieren der sich ändernden Beleuchtung. (Solche Korrekturen machen inzwischen auch unsere Videokameras, indem sie einen periodischen Weissabgleich durchführen.) Das für das Bewegungssehen zuständige Areal V5 ist ausserdem praktisch farbenblind und verarbeitet nur die Helligkeitswerte der einzelnen Schnappschüsse. Die Verarbeitung der diskreten visuellen Netzhautinformation zu einem kontinuierlichen Bewegungsablauf ist zum grössten Teil noch unklar und bleibt deshalb ein aktuelles Forschungsthema. Stationäre konturlose Objekte verblassen in unserer Wahrnehmung Wir haben unser Sehsystem von unseren tierischen Vorfahren geerbt. Es ist primär auf die Dekodierung von Objektbewegungen und nicht zum Betrachten von schönen Bildern und stationären Situationen ausgelegt. Objekte haben in der Regel Konturen. Diese werden mit Hilfe von richtungsempfindlichen Nervenzellen im V1 aufgespürt und im Raum sowie auf der Zeitachse weiterverfolgt. Mit der Fovea (dem winzigen, rund um die Sehachse zentrierten Netzhautbereich) können wir nicht nur scharf sehen, sondern auch Farbtonänderungen genauer auflösen und sogar stationäre verschwommene oder unscharfe Objekte registrieren. Wenn wir beim Betrachten der Animationen den kleinen grauen Kreis im Bildzentrum fixieren, wird nur dieser auf die Fovea abgebildet. Diese ist somit beschäftigt. Die unscharf dargestellten Farbtupfer müssen dann im peripheren Bereich der Netzhaut, welche weniger gut mit Farbrezeptoren bestückt ist und eine miserable Sehschärfe hat, analysiert werden. Wir können ausserdem die Objekte mit unseren tierischen Augen nur dann registrieren, wenn sie sich relativ zur Netzhaut bewegen. Falls sowohl die Augen- als auch die Kopfbewegungen unterdrückt werden, versagt in diesem Fall die Objektdekodierung mit der peripheren Netzhaut. Die überlagerten negativen Nachbilder neutralisieren die stationären Objektbilder, die real existierenden Farbtupfer verblassen, als ob sie nicht da wären (Troxler-Effekt). Unser Gehirn interpoliert die dadurch entstandenen Bildlücken in der Hintergrundfarbe und täuscht uns eine harmlose Situation ohne Farbtupfer vor. Davon ausgenommen sind die beiden im letzten Abschnitt beschriebenen kreisenden Objekte (ein reales und ein virtuelles), weil sich ihre Reizmuster relativ zur Netzhaut bewegen und eine neuronale Aktivität der Bewegungssensoren der Grosshirnrinde auslösen. Ein Mensch mit fixiertem Kopf und blockierten Augapfelbewegungen erblindet mit geöffneten Augen, falls sich seine Umwelt nicht bewegt. |
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Quellenangaben:
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| 13.12.2005 | ||